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Adjuvantien stärken Grippe-Impfstoffe

Adjuvantien (Adjuvanzien/Verstärkerstoffe) aktivieren die essenziellen Komponenten des Immunsystems und verstärken den Schutz gegen die Erreger.

Die kontroverse Diskussion um die Adjuvantien hat u.a. dazu geführt, dass die Bundesländer für die Impfung gegen die Schweinegrippe Impfstoff ohne Adjuvantien nachbestellen mussten. Worum geht´s?

Die Wirkung von Adjuvantien wurde bereits in den 1920er Jahren am Pasteur-Institut in Paris entdeckt. Sie verstärken die Immunreaktion und sind heute Bestandteil vieler Impfstoffe. Dazu gehört u.a. auch die Squalen-in-Wasser-Emulsion MF59 (Focetria®). Bei Pandemrix® heisst das Squalen-haltige Adjuvans AS03.

Das Adjuvans steigert die Antikörperproduktion, indem es essenzielle Komponenten des Immunsystems spezifisch aktiviert. Abwehrzellen wie Monozyten und Makrophagen werden vermehrt an die Impfstelle gelockt, wo sie Chemokine freisetzen, die zur Einwanderung weiterer Immunzellen führen.

Dadurch wird das Impfantigen besonders effizient in die Makrophagen und dendritischen Zellen aufgenommen und zu den Lymphknoten transportiert. Das in den Lymphknoten verstärkt präsentierte Antigen intensiviert die Aktivierung von T- und B-Zellen. So bewirkt es, dass eine größere Menge an Antikörpern produziert wird als nach Impfung mit einem nicht-adjuvierten Standardimpfstoff.

Welche Risiken beinhalten die Verstärkerstoffe?

Zur Frage, ob Squalen problemlos ist, gehen die Meinungen auseinander. Im Tierversuch kann Squalen zur Bildung von Lupus-assoziierten Auto-Antikörpern führen. Dies könnte im Zusammenhang mit Impfungen beim Menschen relevant sein – genauere Untersuchungen wurden nicht durchgeführt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt sich mit den Herstellerfirmen auf den Standpunkt, die Erfahrung mit dem Squalen-haltigen Impfstoff Fluad® - der etwa 22 Millionen Personen verabreicht worden ist – genüge zur Annahme, es halte sich um einen gutartigen Zusatz. Erfahrungen mit nicht-adjuvantierten Impfstoffen sind wohl um das Hundert- bis Tausendfache grösser.

Adjuvantien verursachen verstärkt Nebenwirkungen (lokale Beschwerden an der Einstichstelle wie Rötungen, Schwellungen, Juckreiz und Schmerzen sowie Kopfschmerzen oder Fieber). Dies und die Bedenken von einigen Medizinern, dass der bislang bestellte Impfstoff mit Wirkstoffverstärkern für Schwangere möglicherweise weniger geeignet sein könnte, hat dazu geführt, dass Impfstoffe ohne Adjuvantien nachbestellt werden mussten. Es bleibt also - wie immer - bei einer Risikoabwägung.

Impfung gegen die Schweinegrippe bei Schwangeren

Grundsätzlich empfehlen das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) die Verwendung eines Spalt-Impfstoffes OHNE "Zusatzstoffe/Wirkverstärker" (sogenannte "Adjuvantien").

Die europäische Zulassungsbehörde EMEA hat zwar bereits einen Impfstoff ohne Wirkverstärker, nämlich Celvapan® (Baxter),  zugelassen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen "Spaltimpfstoff", sondern einem Ganzvirusimpfstoff.  Dieser wird von der STIKO jedoch nicht empfohlen.

Ein nicht-adjuvantierter Spaltimpfstoff wird jedoch – nach Einschätzung von Professor Johannes Löwer, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, voraussichtlich Mitte November 2009 vorliegen. Es handelt sich um den Impfstoff Panenza® (Sanofi-Pasteur MSD), dessen Zulassung derzeit noch geprüft wird. 

Die Produktion dieses Impfstoffes ist bereits angelaufen. Panenza® enthält jedoch die 9-fache Menge an der organischen Quecksilberverbindung Thiomersal als der Impfstoff Pandemrix®.

Ein nicht-adjuvantierter Spaltimpfstoff ohne Thiomersal wird von der Firma CSL Biotherapies vertrieben. Die Behörden prüfen derzeit noch, ob dieser Impfstoff auch in Deutschland für Schwangere und Wöchnerinnen zur Anwendung kommen kann.

Bis dahin vertreten das PEI und die STIKO die Ansicht, dass  im Rahmen einer sorgfältigen individuellen Nutzen-Risiko-Analyse die Anwendung eines Impfstoffes mit einem Adjuvanz sinnvoll sein kann und vertretbar ist. Zugelassen ist hierzu der Impfstoff Pandemrix® (GlaxoSmithKline, GSK).

Es liegen allerdings weder Daten noch Erfahrungen mit diesen Impfstoffen in der Schwangerschaft vor. Für Schwangere empfehlen Paul-Ehrlich-Institut und Robert Koch-Institut eine Erwachsenendosis. Falls die Auswertungen künftiger Ergebnisse die Notwendigkeit einer zweiten Impfdosis ergeben, wird die Empfehlung den dann aktuellen Daten angepasst. Klinischen Studien zufolge kann eine zweite Impfung innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten nachgeholt werden.