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Der vfa zur Schweinegrippe

Die Zahl der mit dem Schweinegrippe-Virus infizierten Personen ist in den vergangenen Tagen stärker angestiegen als zuletzt. Das gilt sowohl für die Bundesrepublik als auch das Ausland. Für Deutschland zählte das Robert Koch-Institut in den vergangenenen Monaten insgesamt mehr als 46.000 Fälle infizierter Patienten, von denen die allermeisten wieder gesund sind. Es gab aber auch 14 Todesfälle zu beklagen.

In Deutschland haben die Impfungen gegen die Schweinegrippe am 26. Oktober begonnen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hatte bereits zwei Wochen zuvor Impfempfehlungen für bestimmte Personengruppen herausgegeben. Experten des Bundesgesundheitsministeriums, des Robert Koch-Instituts sowie des Paul-Ehrlich-Instituts machten zuletzt wiederholt deutlich, dass die zugelassenen Impfstoffe wirksam und verträglich sind. Durch die Impfaktion sollen nicht nur die Geimpften individuell geschützt, sondern auch die Epidemie insgesamt zurückgedrängt werden. Das hilft auch diejenigen zu schützen, die sich nicht impfen lassen können oder mögen.

Politiker und Impfexperten stehen zu der Entscheidung für die bestellten Impfstoffe. Diese erfüllten in puncto Wirksamkeit und Sicherheit die Kriterien, die Arzneimittelgesetz und europäische Gesetzgebung an einen solchen Impfstoff stellen. Zudem wird hervorgehoben, dass Deutschland seiner Bevölkerung einen der frühestmöglichen Impfzeitpunkte in der ganzen EU bietet. Das Bundesgesundheitsministerium machte dieser Tage ebenfalls deutlich, dass die zugelassenen Impfstoffe unbedenklich sind.
Voraussetzung für die Zulassungen waren klinische Studien mit zunächst mehreren Tausend Erwachsenen. Mittlerweile liegen auch Daten aus klinischen Studien mit Kindern vor. Das Paul-Ehrlich-Institut überprüft die gleichbleibende Qualität der Produktion mehrerer Chargen.

Die Empfehlung der STIKO zur Impfung gegen eine H1N1-Infektion beschränkt sich in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Impfstoffe zunächst - in folgender zeitlicher Reihenfolge und Priorisierung - auf folgende Personengruppen:

  1. Beschäftigte in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege mit Kontakt zu Patienten oder infektiösem Material
  2. Personen ab einem Alter von 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens
  3. Schwangere und Wöchnerinnen, wobei die STIKO für diese nur Impfstoffe ohne Adjuvantien empfiehlt

Die Kommission hat zugleich angekündigt, zu einem späteren Zeitpunkt über Impfempfehlungen für weitere Personengruppen zu entscheiden.


Impfstoffherstellung schneller als früher
Im Juni bat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Hersteller um die Entwicklung von Impfstoffen gegen die Schweinegrippe. Diese haben zügig gehandelt, sodass nun mehrere zugelassene Impfstoffe bereitstehen. Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die meisten Menschen (Personen im Alter zwischen zehn und 60 Jahren) möglicherweise nur eine einzige Impfung brauchen, um vor der Schweinegrippe geschützt zu sein. Kinder von sechs Monaten bis neun Jahren benötigen - zumindest für einen der zugelassen Impfstoffe - voraussichtlich zwei Impfungen, ebenso wie Erwachsene, die älter als 60 sind.

Einige Hersteller setzen ihren Impfstoffen Wirkverstärker – sogenannte Adjuvantien - zu; dies ermöglicht es, eine volle Impfwirkung auch mit weitaus weniger Virenmaterial pro Impfspritze zu erzielen, als das ohne Wirkverstärker möglich ist. Auf diese Weise lassen sich die für die internationalen Impfmaßnahmen gegen Schweinegrippe nötigen Mengen an Impfstoff schneller herstellen. Denn Virenmaterial ist bei der Impfstoffproduktion stets die am knappsten verfügbare "Zutat".

Obwohl ein Großteil des weltweiten Schweinegrippe-Impfstoffs mit Adjuvantien und damit "Virusmaterial-sparend" produziert wurde (auch der Impfstoff für die deutsche Bevölkerung), sind noch längst nicht so viele Impf-Einheiten fertig gestellt, wie bestellt wurden. Deshalb läuft die Produktion weiterhin unter maximaler Ausnutzung der verfügbaren Ressourcen, und der Impfstoff wird in Tranchen ausgeliefert. So erhalten auch die deutschen Bundesländer ständig weiteren Impfstoff für ihre Impfmaßnahmen. Wann die gesamte bestellte Menge produziert sein wird, lässt sich noch nicht angeben. Optimierungen im Herstellungsverfahren lassen aber erwarten, dass in Kürze die wöchentlichen Lieferungen größer ausfallen können.

Adjuvantien wurden schon in den vergangenen Jahren weltweit millionenfach in zugelassenen Impfstoffen eingesetzt, nachdem sie sich in klinischen Studien mit zehntausenden Erwachsenen und mehreren hundert Kindern für saisonale Grippeimpfstoffe als sicher erwiesen haben. Da keine Erfahrungen mit Schwangeren vorliegen, hat die Ständige Impfkommission jedoch empfohlen, Schwangere mit einem Impfstoff ohne Adjuvans zu impfen.

Ebenfalls ohne Adjuvans hergestellt ist der Impfstoff, der für die Bundeswehrsoldaten bestellt worden ist. Er enthält abgetötete ganze Viren, und diese in einer höheren Dosis als das Virenmaterial (gereinigte Vireneiweiße) in den Impfstoffen mit Wirkverstärker. Vorübergehende Nebenwirkungen wie Schmerzen im "Impfarm", erhöhte Temperatur oder Gelenkschmerzen können auch bei diesem Grippeimpfstoff, genau wie bei den wirkverstärkten, auftreten. Hierin dürften sich die Impfstoffe für die Bevölkerung und die Bundeswehr nicht nennenswert unterscheiden, so das Paul-Ehrlich-Institut.

Für die Herstellung von Grippeimpfstoffen gibt es zwei verschiedene Produktionsmethoden. Bei der einen werden Grippeviren in bebrüteten Hühnereiern vermehrt, bei dem anderen in Zellen in großen Stahltanks. Die Viren werden in beiden Fällen nach ausreichender Vermehrung „abgeerntet“, inaktiviert (abgetötet), und Bestandteile daraus (oder die Viren als Ganzes) werden dann zum Impfstoff weiterverarbeitet.

Impfgegner schüren Ängste
Skeptiker nähren im Zusammenhang mit den bevorstehenden Impfungen gegen die Schweinegrippe Ängste vor Nebenwirkungen. Tatsächlich sind Grippeschutzimpfungen generell gut verträglich und es ist anzunehmen, dass das Gleiche auch für die Impfstoffe gegen Schweinegrippe gelten wird. Nebenwirkungen, die bei den durchgeführten Studien auftreten, beschränken sich auf Schmerzen, Hautrötungen, Verhärtungen und Blutergüsse an der Einstichstelle. Bei einzelnen Patienten werden leichtes Fieber, Gelenkbeschwerden und Schüttelfrost beobachtet – allesamt Erscheinungen, die nach wenigen Tagen wieder abklingen und in keinem Verhältnis zu Symptomen stehen, die im Falle einer Infektion mit dem H1N1-Virus auftreten können. Dies muss letztlich jeder für sich gegen das Risiko abwägen, sich nicht impfen zu lassen und damit auch zu einer weiteren Verbreitung des Virus beizutragen.

Dennoch ist davon auszugehen, dass sich die Klagen über derlei Erscheinungen häufen, einfach weil sich wohl außergewöhnlich viele Menschen impfen lassen dürften. Selbst ein prozentual kleiner Anteil der Geimpften entspricht einer Zahl von vielen Tausend, wenn – wie angenommen – mehrere Millionen Bundesbürger geimpft werden.

Behauptungen, eine Grippeimpfung selbst führe erst zu einer Grippeerkrankung, sind frei erfunden: Grippeimpfstoffe können keinen Infekt verursachen, da sie nur die isolierten Eiweiße des Virus oder abgetötete Viren enthalten, jedoch keine infektiösen Viren.

Behörden beobachten Entwicklung
Die Bundesländer haben zum jetzigen Zeitpunkt 50 Millionen Impfdosen geordert. Bei den meisten Menschen genügt eine einzige Injektion. Mit den Krankenkassen hat die Bundesregierung vereinbart, dass diese die Impfstoff-Kosten für bis zu 35 Millionen Menschen - vor allem chronisch Kranke, Schwangere und medizinisches Personal - übernehmen. Bund und Länder wollen den Weg dafür ebnen, dass sich jeder impfen lassen kann, der dies möchte. Die Bundeswehr hat zusätzlich 250.000 Impfdosen für den eigenen Bedarf geordert.

Gesundheitsämter werden über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten und mit etwaigen Handlungsempfehlungen versorgt. Es gibt in der Bundesrepublik seit Jahren einen Grippe-Pandemieplan, und Netzwerke von Schwerpunktpraxen überwachen, wie sich die Ausbreitung der Schweinegrippe entwickelt. Ärzte sind bereits seit Mai bundesweit verpflichtet, Verdachtsfälle der Schweinegrippe ans Gesundheitsamt zu melden.

Derzeit kann niemand verlässlich einschätzen, wie hoch die Gefahr der Entwicklung zu einer weltweit dramatischen Schweinegrippe-Pandemie tatsächlich ist. Die Bundesrepublik ist auf ein solches Szenario auf jeden Fall vorbereitet. Seit langem wurden nationale Krisenpläne erarbeitet, die bei Bedarf in Kraft gesetzt werden können.

Was passiert im schlimmsten Fall?
Das neuartige Grippevirus zählt nach der einschlägigen Klassifikation der Grippeexperten zu den Influenza A/H1N1-Viren. Andere Grippeviren der gleichen Klasse sind schon früher in Europa und anderen Teilen der Welt aufgetreten, doch keines, das dem neuen Erreger gleicht.

Die derzeitigen Schätzungen zu den Auswirkungen einer Grippepandemie fallen unterschiedlich aus. Im Extremfall – falls die Schweinegrippeviren für den Menschen wesentlich gefährlicher werden - sind folgende Szenarien anzunehmen:

  • Die Pandemie könnte den Globus in zwei bis drei Wellen im Abstand von vier bis sechs Monaten umrunden.
  • 25% der Bevölkerung könnten bei der ersten Welle erkranken, bei den folgenden Wellen aber weniger.
  • Die Abwesenheitsrate vom Arbeitsplatz könnte auf dem Höhepunkt bei 30 bis 50% liegen.
  • Die Mortalität könnte bei 3 bis 5% der Erkrankten, d. h. bei 1% bezogen auf die gesamte Bevölkerung liegen.
  • Obwohl die Beschränkung von grenzüberschreitenden Reisen für eine bestimmte Zeit keine besonders effektive Maßnahme zur Verhinderung der Pandemie ist, könnte es solche Einschränkungen geben.


In Deutschland sterben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes jährlich zwischen 8.000 und 15.000 Menschen an der landläufigen und jedermann bekannten saisonalen Grippe, vor allem ältere Personen mit Vorerkrankungen. Die Zahl der bislang bekannt gewordenen Todesfälle infolge der Schweinegrippe kommt zum jetzigen Zeitpunkt nicht annähernd in die Nähe dieser Größenordnung.


Quelle: Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (vfa)

Stand: 10. November 2009