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Vogelgrippe
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Gefährliche Viren können jeden Tag entstehen. Eine kleine genetische Veränderung bei irgendeinem Keim reicht aus, um Menschen erkranken oder gar sterben zu lassen.
Die Vogelgrippe ist eine Infektionskrankheit, die - der Name verrät es - vor allem Vögel trifft. Ab und an befällt der Erreger aber auch Menschen. Mehr als 300 Kranke gab es laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im vergangenen Jahrzehnt, über zwei Drittel der Infizierten starben. In Zukunft könnte das Vogelgrippe-Virus noch mehr Menschen bedrohen, mutmaßen Fachleute: sofern sich der Erreger genetisch verändert.
Immer wieder mutieren Viren so, dass sie ihren bisherigen Wirt, ein Tier, verlassen und auch Menschen infizieren können. Jeden Tag können durch solche Wirtssprünge neue Krankheiten entstehen. Weil das menschliche Immunsystem auf die neuen Keime nicht vorbereitet ist, sind Kranke und Tote die Folge.
Angesteckt an eigenem Geflügel
1997 starben sechs Menschen in Hongkong an der Vogelgrippe. Dass dies keine Einzelfälle waren, zeigte sich Ende 2003. Zu diesem Zeitpunkt brach in Südostasien eine Epidemie aus, Millionen Vögel starben, Hunderte Menschen erkrankten, vor allem in Thailand, Vietnam und Kambodscha. In den folgenden drei Jahren starben ingesamt 140 Infizierte. Angesteckt hatten sie sich an ihrem eigenen Geflügel, mit dem sie auf engstem Raum zusammen lebten.
Die Geflügelpest ist eine Erkrankung, die Bauern in Europa schon seit hundert Jahren kennen - die befallenen Enten, Gänse, Puten oder Hühner verenden nach wenigen Tagen. Noch erkranken Menschen eher selten. Doch Wissenschaftler vermuten, dass der Erreger auch für den Menschen gefährlich werden könnte, sobald er sich mit menschlichen Grippeviren vermischt. Denn beide Virentypen sind sich recht ähnlich.
Vogelgrippe und Menschengrippe ähneln einander
Vogelgrippe wird von dem Virus H5N1 ausgelöst. Dieser Keim gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren. Mit H und N werden die beiden wichtigsten Proteine abgekürzt, die an der Virenhülle sitzen, das Hämagglutinin und die Neuraminidase. Forscher haben die jeweiligen Hüllproteine einfach durchnummeriert. Die Grippe-Erreger, die normalerweise beim Menschen vorkommen, zählen zu den Subtypen H3N2 und H1N1.
Zur gefürchteten Bedrohung könnte es kommen, wenn Vogelgrippe- und Menschengrippe-Viren untereinander Genmaterial austauschen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Mensch sowohl mit H5N1 als auch mit H1N1 infiziert ist. Das Viren-Erbgut könnte sich dadurch so weiterentwickeln, dass der Erreger aggressiver wird und auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann.
Einige Vogelgrippe-Viren sind bereits so mutiert, dass sie von Mensch zu Mensch übertragbar sind, ein entsprechender Fall wurde 2004 in Thailand dokumentiert, ein anderer 2006 in Indonesien.
Vor hundert Jahren wurde ein Vogelvirus zum Massenmörder
Doch noch ist das Vogelgrippe-Virus nicht so mutiert, dass es leicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Ob diese genetische Veränderung jemals eintritt, ist ungewiss. Möglich ist sie hingegen schon.
Wie gefährlich mutierte Vogelgrippe-Viren werden können, zeigt die Spanische Grippe. Diese Pandemie, die von 1918 bis 1919 grassierte, kostete schätzungsweise 50 Millionen Menschen das Leben. Die amerikanischen Virologen Jeffery K. Taubenberger und David M. Morens stellten fest, dass der Erreger der Spanischen Grippe zwar zum Subtyp H1N1 gehörte, also ein menschliches Virus war. Die genaue Analyse des Erbguts überraschte die Amerikaner aber: Sie hatten ein mutiertes Vogelvirus vor sich. Durch die genetische Veränderung konnte es zum Massenmörder werden.