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Gesundheitsminister beraten heute erneut über Schweinegrippe
07.09.2009
Während heute die Gesundheitsminister der Länder über das weitere Vorgehen beim Schutz der Bevölkerung vor der Schweinegrippe beraten, wächst der Widerstand gegen Schweinegrippe-Impfung in Deutschland.
Unter anderem geht es heute darum, ob weitere Impfstoffe angeschafft werden sollen. Denn auch die Kritik an der geplanten Massenimpfung gegen die Schweinegrippe in Deutschland nimmt zu. Zuletzt wandte sich sogar die Bundesärztekammer gegen die Impfung. Kritisiert wurde vor allem der Einfluss der Pharma-Lobby. Es besteht seitens der Bundesärztekammer der Verdacht, dass mit der Schweinegrippe „die Interessen der Pharmaindustrie durch ihre Lobbyisten wieder einmal gut bedient werden“.
Heute soll außerdem über Geld gesprochen werden. Beschlossen ist, dass die Kassen die Impfkosten für die erste Hälfte der Versicherten - das sind bis zu 35 Millionen Menschen - übernehmen. Alles darüber hinaus müssten Bund und Länder aus Steuermitteln bezahlen. Wie diese Verteilung aussehen könnte, darüber soll heute beraten werden.
Nach Informationen des in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel" lehnen es die Länder-Finanzminister ab, sich an den Kosten der Impfaktion zu beteiligen. Die Zusage der Bundesregierung an die Krankenkassen sei "ohne Absprache mit den Ländern" erfolgt, hieß es zur Begründung.
Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums zeigte sich dennoch zuversichtlich für eine Lösung. Unabhängig von dem Streit stehe fest, dass jeder Impfwunsch erfüllt werde, und zwar kostenlos, sagte er.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob überhaupt mehr als Hälfte der Versicherten die Impfung wollen. Die Kritik und Verunsicherung wächst. Am Wochenende prangerte beispielsweise die Bundesärztekammer den Einfluss der Pharma-Lobby an und forderte, lediglich Risikogruppen zu impfen. Gegen eine weitere Massenbestellung des Impfstoffs regt sich inzwischen auch in den Ländern Widerstand.
Wissenschaftler sind sich über die Gefährlichkeit von H1N1 nicht einig: Während auf der einen Seite der renommierte Virologe Stefan Becker von einem milden Verlauf der Pandemie spricht, warnt das Robert-Koch-Institut (RKI) vor einer Verharmlosung.
Jetzt spricht sich die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Cornelia Goesmann, entschieden gegen eine Durchimpfung der Gesamtbevölkerung aus. Immerhin sei die Zahl der ernsthaft erkrankten Menschen verschwindend gering geblieben. Es entstehe „der Verdacht, dass die Interessen der Pharmaindustrie durch ihre Lobbyisten wieder einmal gut bedient werden“, schrieb Goesmann in einem Beitrag für die „tageszeitung“. Die Beschäftigen in medizinischen Betrieben erlebten die Realität der Schweingrippe „unisono als hysterische Panikmache ohne fassbaren Hintergrund“.
Und der Hamburger Gesundheitssenator Dietrich Wersich (CDU) sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": „Wir sind der Meinung, dass die bereits bestellten Impfdosen für 30 Prozent der Bevölkerung ausreichend sind.“
Auch der Leiter der Abteilung Gesundheitspolitik in Bremen, Matthias Gruhl, wandte sich gegen weitere Nachbestellungen des Impfstoffs. Dieses Sicherheitsdenken sei teuer: „Es kostet mehr als eine Milliarde Euro, die auch an anderer Stelle im Gesundheitswesen genutzt werden könnte.“ Gruhl warf dem KKI und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen vor, zu sehr Einfluss auf die Politik zu nehmen, um „noch mehr Impfstoffe und noch mehr Medikamente zu kaufen“.
Und der Marburger Virologe Stefan Becker wies darauf hin, dass die Schweinegrippe-Pandemie bislang ausgesprochen milde verläuft. Damit habe niemand gerechnet. „Wahrscheinlich hätten wir früher gar nicht gemerkt, dass es zurzeit eine Pandemie gibt“, sagte der Experte. Das sei in der Vergangenheit sicher häufiger passiert.
Das RKI warnt jedoch vor Leichtfertigkeit
Der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger, sagte dagegen der „taz“: „Es wäre leichfertig, dieses Virus abzuschreiben als mildes Virus und die Hände in den Schoß zu legen.“ Deutschland müsse sich vorbereiten. Es sei wichtig, Impfstoffvorräte anzulegen und Impfungen vorzubereiten, erklärte Burger: „So schnell hat sich noch nie ein Influenzavirus ausgebreitet.“
Nach den zuletzt verfügbaren Zahlen des Robert-Koch-Instituts hat es in Deutschland seit Ende April bislang insgesamt 16.835 Schweinegrippe-Fälle gegeben.