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Noch mehr neue Krankheitserreger befürchtet
23.09.2009
Nach der Vogel- und der Schweinegrippe werden noch weitere vergleichbare Infektionskrankheiten befürchtet
Voraussichtlich würden sich künftig immer neue Erreger in immer kürzeren Abständen weltweit ausbreiten, sagte der Direktor des Instituts für Hygiene des Uniklinikums Münster, Helge Karch, am 21. September bei einer Tagung von Mikrobiologen in Göttingen. Grund dafür sei, dass immer häufiger ursprünglich nur bei Tieren beheimatete Krankheitserreger durch Mutation die Arten-Barriere zum Menschen überwänden.
Warum und wie tierische Erreger sich so entwickeln, dass sie auch Menschen gefährlich werden können, sei vielfach noch nicht geklärt, sagte Karch. Eine Rolle spiele aber offenbar, dass die Zahlen von Menschen und Tieren steigen und dadurch auch die Zahl der Kontakte wachse, sagte Prof. Achim Hörauf, der Direktor des Institutes für medizinische Mikrobiologie an der Universität Bonn. Wegen der überdies zunehmenden Zahl von Fernreisen breiteten sich neue Erreger immer schneller aus.
Bedenklich sei, dass es in Deutschland zunehmend an Forschern fehle, die neue wirksame Mittel gegen Viren- und Bakterienerkrankungen entwickeln könnten, kritisierte Tagungspräsident Prof. Martin Krönke. Eine Ursache dafür sei sicher die zuletzt deutlich schlechter gewordene Bezahlung für junge Wissenschaftler. Dies führe dazu, dass gerade die Besten in die Schweiz, nach Skandinavien, Irland oder England gingen.
Forschung sei aber nicht nur wegen neuer weltweiter Infektionskrankheiten erforderlich, sondern auch weil immer mehr Bakterien gegen Antibiotika resistent seien, sagte DGHM-Präsident Prof. Jürgen Heesemann. Dies sei umso bedeutsamer, als Infektionen zum Beispiel mit Schweinegrippe-Viren wirklich gefährlich erst durch zusätzliche Infektionen mit Bakterien würden.
Prof. Krönke vom Uniklinikum Köln geht davon aus, dass die bekannten Antibiotika "schon in ein bis zwei Generationen" nichts mehr ausrichten können, weil bis dahin alle Erreger resistent geworden seien. "Das kommt wie eine Dampfwalze auf uns zu." Deshalb seien dringend zusätzliche Forschungsanstrengungen erforderlich, um alternative Mittel zu entwickeln.