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Verstärkerstoffe / Adjuvantien resp. Adjuvanzien
12.10.2009
Vor Beginn der Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe ist zu einer absehbaren Diskussion um die Verstärkerstoffe (auch Adjuvantien resp. Adjuvanzien genannt) gekommen.
Ein Adjuvans, Mehrzahl Adjuvantien oder Adjuvanzien (lat., von adjuvare, „unterstützen“, „helfen“) ist ein Hilfsstoff, der die Wirkung z.B. eines Arzneistoffes verstärkt. Chemisch-physikalisch handelt es sich häufig um Lösungsvermittler, Emulsionen oder Mischungen daraus. Idealerweise sollte ein Adjuvans keine eigenen pharmakologischen Wirkungen aufweisen. Ein klassisches Einsatzgebiet für Adjuvantien ist die Immunologie.
Ob nun der Zusatz von Adjuvanzien bei den bisher zugelassenen Impfstoffen unproblematisch ist oder nicht, wird derzeit heftigst diskutiert. Der Virologe Alexander Kekulé nannte Impfstoffe mit Verstärkerstoffen als «übertrieben» im Kampf gegen die Schweinegrippe. Viel geeigneter sei z.B. Celvapan® von Baxter, also der Impfstoff ohne Adjuvanzien, für den sich z.B. die Bundeswehr entschieden hat. Frau Gesundheitsministerin Ulla Schmidt nannte dagegen alle drei in der Europäischen Union zugelassenen Präparate sicher, also auch Pandemrix® von GSK (GlaxoSmithKline) und Focetria® von Novartis.
Die Bundeswehr hat Celvapan® bestellt. Dieser Impfstoff enthält weder Verstärkerstoffe noch quecksilberhaltige Konservierungsmittel. Einige Ärzte hatten in letzter Zeit vor möglichen Nebenwirkungen bei den Impfstoffen Pandemrix® und Focetria® gewarnt. Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) existieren jedoch keine Studien über einen Vergleich der Nebenwirkungen.
Die scheidende Gesundheitsministerin kommentierte die Angelegenheit mit den Worten "Die (Impfstoffe) sind alle drei sicher, alle drei getestet und alle drei können eingesetzt werden". Ihr Meinung nach gebe es zweifellos unterschiedliche Einsätze, zum Beispiel könnten Schwangere mit einem Präparat ohne Zusatzstoffe («nicht-adjuvantiert») geimpft werden. Die deutschen Behörden hätten bei den drei in Frage kommenden Herstellern bestellt und "das Unternehmen, bei dem die Bundeswehr bestellt hat, hat eben einen nicht-adjuvantierten Impfstoff". "Die Aufregung, die da heute entstanden ist, ist mit überhaupt nichts zu rechtfertigen."
Auch das PEI gab Entwarnung bei Pandemrix®. "Grundsätzlich ist die Verträglichkeit gleichwertig, und der Stoff erfüllt alle EU-Kriterien", sagte Sprecherin Susanne Stöcker. Auch die Quecksilberverbindung zur Konservierung der Impfstoffe stelle keine Gefahr da. Das verwendete Thiomersal enthalte kein Quecksilber wie im Fieberthermometer, sondern eine organische Quecksilberverbindung. Die Menge sei wesentlich kleiner als die, die eine Schwangere pro Woche aufnehmen dürfe.
Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, wird zitiert, die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin habe den "Alleingang der Bundeswehr" mit Verwunderung zur Kenntnis genommen.
Der Verband der Kinder- und Jugendärzte fordert für Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren ebenfalls ein Serum ohne Verstärkerzusätze.