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Epidemiologischer Wochenbericht des Robert Koch-Instituts zur Situation der Influenza A/H1N1
09.11.2009
Zusammenfassende Bewertung der epidemiologischen Lage:
In Deutschland zeigt sich ein deutlicher Anstieg mit mehr als einer Verdopplung der übermittelten Fälle für die 44. Kalenderwoche (KW). Knapp 60% der neu gemeldeten Fälle stammen aus Bayern. Die höchsten Inzidenzanstiege gegenüber der Vorwoche betreffen Bermen (44. KW 8,3 pro 100.000; 7,8-fach erhöht gegenüber der Vorwoche), Niedersachsen (6,66; 4,3-fach), Rheinland-Pfalz (3,34; 3,8-fach) und Sachsen-Anhalt (3,32; 3,5). Die Zahl der labordiagnostisch oder epidemiologisch bestätigten Fälle betrug für die 44. KW aktuell 7.822 Fälle (darunter 6.791, welche die Referenzdefinition erfüllen).
Die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE), die im Sentinel der Arbeitsgemeinschaft Influenza erhoben wird, liegt bundesweit in der 44. KW im geringfügig erhöhten, für die AGI-Großregion Süden im deutlich erhöhten, Bereich und damit über den jahreszeitlich zu erwartenden Werten. Seit der 42. KW ist damit auf Bevölkerungsebene eine erhöhte Krankheitslast im Sentinel messbar. In der 44. KW wurden im NRZ in 57 (40%) der 143 eingesandten Sentinelproben Influenzaviren nachgewiesen, ausschließlich Neue Influenza A/H1N1.
In Europa berichteten für die 43. Woche Island und Irland über eine sehr hohe Influenza-Aktivität, Malta, Schweden und der nordirische Teil des Vereinigten Königreichs meldeten hohe Aktivität, Belgien, Bulgarien, Italien, die Niederlande, Norwegen, Spanien und England meldeten mittlere Intensität und alle übrigen Länder meldeten niedrige Aktivität. 17 Länder berichteten über einen ansteigenden Trend in der Influenza-Aktivität (im Vergleich zu 12 Ländern in der 42. Woche). Aus den Sentinelsystemen von 23 europäischen Ländern wurden 2375 Probeneinsendungen gemeldet, von denen 965 (41 %) positiv waren. Unter den weiter näher untersuchten Viren waren mehr als 99% Neue Influenza A/H1N1, nur ein einziges Virus gehörte dem Typ B an.
Aktuelle Strategie und Maßnahmen: Die Impfungen gegen die Neue Influenza haben in vielen Bundesländern begonnen oder werden in Kürze beginnen. Nach Empfehlung der STIKO sollten sich insbesondere das medizinische Personal, Menschen mit chronischen Vorerkrankungen und
Schwangere impfen lassen. Die zügige Umsetzung dieser Impfempfehlung erscheint dringlich angesichts der Tatsache, dass der aktuelle rasche
Anstieg der Fallzahlen deutlich früher als sonst bei der saisonalen Influenza stattfindet.
In den Ländern mit deutlich gestiegener Prävalenz der nachgewiesenen Erkrankungen, wie z.B. in Bayern, muss bei respiratorischen Erkrankungen auch ohne bekannten Kontakt eine Erkrankung durch Neue Influenza in Betracht gezogen und insbesondere bei Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren oder einem (vermuteten) schwerem Verlauf frühzeitig eine Therapie begonnen werden. Mit Zunahme der Erkrankungszahlen und der Positivenrate steigt die Vorhersagekraft der klinischen Diagnosestellung deutlich an.
Die wichtigsten Entwicklungen in der 44. Kalenderwoche (KW)
Deutschland:
- Aktuell sind 3.332Fälle (RD*: 2.681) in der 43. KW, 7.822 (RD*: 6.791) in der 44. KW an die Gesundheitsämter gemeldet
- Insgesamt 40.271 bestätigte Fälle, (35.539 nach Referenzdefinition), 9 Todesfälle
Europa:
- In Europa wurden 63 neue Todesfälle gemeldet
- In Europa sind nun insgesamt 355 Todesfälle gemeldet
Welt (mit Europa):
- 286 neue Todesfälle
- Insgesamt 6.307Todesfälle
Mehr dazu im Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) (Quelle RKI)
* Referenzdefinition (RD): Klinische Erkrankung MIT labordiagnostischem Nachweis oder epidemiologischer Bestätigung. In der Gesamtzahl sind auch Fälle enthalten ohne Angaben zum klinischen Bild. Um die Influenza-Referenzdefinition zu erfüllen, muss es sich jedoch um einen klinisch-epidemiologischen oder klinsch-labordiagnostischen Fall handeln.